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Alpencross 2006 von Tegernsee nach Levico Terme

Ein gemütlicher AlpenCross in 9 Tagen mit 12.500 hm auf 370 km.

Prolog

Irgenwie hab ich noch im Hinterkopf, dass ich mir nach der letzten Alpenüberquerung gesagt habe: Das war OK, aber nochmal muss ich das nicht machen. Und jetzt doch. Die guten Erinnerungen verblassen halt langsamer als die schlechten ... und wenn man dann noch 'ne Freundin hat, die sooooo gerne in den Bergen herumradelt, dann kommt sowas dabei raus...

Anregung für diese Tour bekamen wir von einem Bekannten, der vor einigen Jahren eine ähnliche Strecke geradelt ist — die Details seiner Tour wollte er uns aber nicht verraten, so habe ich die Tour selbst in einigen Stunden Arbeit über den Karten und mit vielen Tourenberichten aus dem Internet zusammengestellt. Natürlich gibt's genügend fertige Touren zum nachfahren, sogar welche zum selbst zusammenstellen am Computer — aber irgendwie ist die Planung doch schon ein bisschen Teil des Urlaubs, mir hat's jedenfalls Spaß gemacht, genauso wie das ganze jetzt noch nachzubereiten.


Start am Bahnhof Esslingen

Nach einigem Hin- und Her entschieden wir uns, mit dem Auto bis zum Startpunkt zu fahren und am Ende der Tour dorthin mit der Bahn zurückzukehren. Das sollte noch Probleme geben, dazu aber mehr im Epilog.

Generell stellte sich die Frage, ob wir überhaupt würden fahren können. Noch 2 Wochen vor unserer Tour hat es in den Bergen bis auf unter 2000 m herunter geschneit und die Vorhersage war nicht berauschend.

Am Samstag, dem 20. August ging's dann los. Nur kein Stress, das war das Motto dieser Tour. Abfahrt deshalb erst kurz nach acht in Esslingen.

Etappe 1: Tegernsee über Valepp nach Mariatal

Strecke: 46.9 km • Fahrzeit: 3:38 h • Reisezeit: 5:50 h • Anstieg: 775 hm • Abfahrt: 973 hm • Karten: Kompass 8, 28


Tegernsee - die Bayerischen Voralpen rufen

Am Wochenende in Tegernsee einen (Dauer)Parkplatz zu finden, ist nicht ohne. Oberhalb des Bahnhofs gibt's zwar einen — der ist aber bis auf den letzten Platz voll — und ganz Tegernsee scheint eine einzige Parkverbotszone zu sein. Nach einigen Minuten Herumgegurke haben wir dann doch noch ein nettes Plätzchen gefunden. Also aufgesattelt und los geht's.

Erstmal durch Tegernsee kämpfen. Am See entlang gibt's zwar einen netten Weg, der ist aber für Fußgänger reserviert und wird rege benutzt — also wieder raufgestrampelt und der Straße entlang nach Rottach.

Ich hatte zwei Alternativrouten vorbereitet, eine über das viel erwähnte Forsthaus Valepp und eine vermutlich (noch) leichtere über Wildbad Kreuth. Da das Wetter hervorragend war, wir eh nur eine Halbtagesetappe vor uns hatten und überhaupt keine Lust, das erste Stück entlang einer Bundesstraße zu fahren, fiel die Entscheidung klar für die Route über Valepp.

Zunächst geht es für ein paar Kilometer auf dem Deich der Rottach entlang Richtung Kalkofen und Haslau. Am Ende des Deichwegs geht's erstmal asphaltiert weiter in Richtung Valepp. Die Strecke ist erstaunlich gut mit Radlern bevölkert, insbesondere fallen die vielen Rennradler auf, die die Steigung teils keuchend und mit einem Affenzahn raufflitzen. Die Ursache klärt sich bald — die fahren alle nur mit Volldampf an eine der am Weg liegenden Gaststätten, essen oder trinken was und rollen dann wieder heim.


Alpin anmutender Weg an der
Brandenberger Ache (Valepp)

Wir dagegen fahren ganz gemütlich, schließlich wollen wir keinen Stress sondern Urlaub machen, zudem haben wir noch ein paar hundert Kilometer und ettliche tausend Höhenmeter vor uns.

Das Forsthaus Valepp lassen wir links liegen, es ist noch zu früh zum Pause machen. Danach fängt der schöne Teil des Wegs an, es geht jetzt auf geschotterten Wegen weiter. Der Weg ist Richtung Erzherzog-Johann-Hütte ausgeschildert.

Im Kaiserhaus wird der Flüssigkeitspegel mit Apfelschorle wieder auf Sollstand gebracht, dann gibt's noch einen Cappuccino und Blaubeerkuchen. Durch einen fönig-warmen Südwind sitzt sich's bei 28°C sehr angenehm im gut besuchten Garten.

Als wir aufbrechen, zeigt die Uhr schon fünf, sodass wir beschließen, nach einem Nachtquartier ausschau zu halten. In Aschau steht uns noch ein unerwartet wadenbeißender Anstieg im Weg. Der schöne Blick über's Tal zeigt, dass die Route über Brandenberg zwar weiter, von der Steigung aber wohl ganz angenehm zu fahren gewesen wäre. Macht nix, wir sind ja fit. Unsere Quartiersuche endet schon auf der Abfahrt Richtung Kramsach, wir werden fündig — im Gasthof Mariathal  in Mariatal.


Abfahrt in Richtung Kramsach
Gasthof Mariathal
Gasthof Mariathal
Glück gehabt, denn der Wirt vermietet nur zwei Zimmer und eines davon ist bereits belegt. Unser Zimmer ist nett, wenn auch klein, hat nur ein 1.20 m breites Bett, dafür aber Duche und WC. Die 28 € pro Nase sind ein stolzer Preis — für 6 € Aufpreis gibt's aber ein gutes Abendessen, damit stimmt dann das Preis-Leistungsverhältnis: Gemischter Salat mit Ringelblumenblütenblättern aus dem eigenen Garten, Super lecker Speck-Knödel auf frisch gedünstetem Kraut, dann Pilzgulasch aus frischen kleinen Pfifferlingen auf Schweineschnitzel mit Knödel als Beilage und zum Nachtisch einen Marillenknödel und einen Zwetschgenknödel — wer's noch nicht bemerkt hat, es war „Knödel-Woche” :-).

Etappe 2: Mariatal, Brixxleg im Inntal, Alpbachtal, Steinbergjoch, Stumm im Zillertal

Strecke: 42.1 km • Fahrzeit: 5:00 h • Reisezeit: 7:05 h • Anstieg: 1498 hm • Abfahrt: 1476 hm • Karten: Kompass 28

Die Wettervorhersage von gestern für heute war nicht gut — und die Wolken (As op) scheinen das zu bestätigen. Unser Wirt meint aber das sei kein Problem, wir sollen unbedingt fahren — das Wetter halte auf jeden Fall bis Mittag, wahrscheinlich fängt's erst gegen zwei, vielleicht drei zu regnen an, zudem ist der Gipfel des Großen Beil östlich des Steinbergjochs nicht in den Wolken, also ganz ordentliche Bedingungen. Der Mann ist offenbar Bergwanderer und im Alpbachtal auch schon gewandert. Wir verlassen uns auf seine Aussage und ziehen wohlgemut los.

Ein kurzes Stück geht's abwärts ins Inntal, dann über Brixlegg ins Alpbachtal und auf einem netten Höhenweg nach Inneralpbach.

In Inneralpbach geht's nach kurzer Orientierungspause weiter in Richtung Faule Baumgartalm. Der Weg ist anfangs asphaltiert, später geschottert und so, dass man ihn gerade noch gut fahren kann, ohne zu viel Kraft zu verbraten. Es ist Sonntag und die Alm ist ein beliebtes Ziel für Wanderer. Oberhalb nehmen die Wandererströme erfreulicherweise rapide ab.

Steinberger Alm
In der Steinberger Alm

Wir erreichen die Steinberg-Alm, die letzte Alm vor dem Steinberger Joch, gegen Mittag. Es ist inzwischen ziemlich frisch und wir sind vom Bergauffahren verschwitzt, sodass wir froh sind, zu den Sennern in die Alm sitzen zu dürfen, wo wir uns hungrig über Brot und frischen Alm-Käse hermachen.

Ein starkes halbes Stündchen später geht's weiter. Die Sennerin meint, es hält nichtmehr lang — und es könnte schneien. Hätte es letzte Woche auch schonmal. Na Prosit.

Steinberger Tal
Das Wetter kommt uns holen

Wenn man auch Gastwirten im Tal bei ihrer Wettervorhersage bekanntermaßen nur sehr eingeschränkt trauen kann (die haben ihre Weisheit meist auch nur aus der Glotze) — den Leuten auf der Alm kann man glauben, wenn sie schlechtes Wetter voraussagen. Kaum eine halbe Stunde unterwegs, sehen wir eine Schlechtwetterfront aus dem Tal zu uns heraufsteigen.

Das Joch ist schon fast greifbar, etwa 200 Höhenmeter noch, also legen wir unser Regenzeug bereit und dann nichts wie los, damit wir über den Berg sind, bevor's richtig losgeht.

unterwegs zum Steinberger Joch
unterwegs zum Steinberger Joch

Wer sein Radl liebt, ...

Und dann geht's los. Nein, nicht mit Regen. Mit Hagel. Taubeneiergrosse Körner prasseln auf uns nieder. Erfreulicherweise völlig trocken, also ohne großartig Schnee oder Regen mit dabei. Schon nach ein paar Minuten hört der Spuk wieder auf, kommt die Regenhose wieder runter und weiter geht's den Berg hinauf. Eine Rast in der Otto-Leixl-Hütte direkt hinterm Joch (1911 m) verkneifen wir uns in Anbetracht der Wetterlage. Hinweis: „Montag Ruhetag” steht an der Tür.

Leider gibt's da oben anscheinend weder Weg noch Steg. Jedenfalls haben wir den richtigen Weg nicht gefunden, was uns einen Abstieg auf Kuh-Pfaden bescherte. Auf halber Strecke zum Fahrweg stießen wir dann doch von oben her auf den „richtigen” Weg. Der muss also oben irgendwo erstmal nach links weggegangen sein.

Über das Steinberger Joch treibt's inzwischen ungemütliche dunkelgraue Wolkenfetzen. Es fängt an zu regnen. Aber noch nicht so stark, also kein Grund für Gamaschen. Falsch. Bis wir in Stummerberg ankommen, schwappt das Wasser in den Schuhen.

Blick vom Gasthof Märzenklamm
Blick vom Gasthof Märzenklamm

Zum Glück fahren wir auf eigene Faust und müssen so nicht weiter bis nach Mayrhofen oder womöglich nochmal einen Berg rauf. Direkt bei der Einfahrt nach Stumm fallen wir über den Gasthof Märzenklamm, wo man uns, durchnässt wie wir sind, freundlich aufnimmt. Die heiße Dusche tut gut und die Klamotten trocknen auf der Fußbodenheizung im Bad. Kaum zwei Stunden später klart das Wetter auf und wir können uns auf einen schönen nächsten Tag freuen.

Etappe 3: Stumm, Schlegeisspeicher/Domenikushütte

Strecke: 40.8 km • Fahrzeit: 4:24 h • Reisezeit: 6:30 h • Anstieg: 1293 hm • Abfahrt: 73 hm • Karten: Kompass 28, 037

Uuuuh. komplett bedeckt — und es sieht nach Regen aus. Wo ist nur das gute Wetter von gestern Abend abgeblieben? Naja, erstmal frühstücken, vielleicht wird's ja besser...

... vielleicht aber auch nicht. Gerade als wir starten wollen, beginnt es zu tropfen. Der Anfang unserer heutigen Etappe ist flach und befestigt, sodass man auch in Regenklamotten gut fahren können sollte. Gar nicht faul steigen wir also in unsere Regenklamotten — diesmal mit Regenüberschuhen.

Regenklamotten
raus aus den Regenklamotten
Im inzwischen strömenden Regen fahren wir erstmal zum nächsten Laden und erstehen Spülhandschuhe, um unsere normalen Handschuhe vor Nässe zu schützen und eine Zahnbürste als Ersatz für meine gestern vergessene.

Petrus meint es gut mit uns und dreht nach einer Stunde Fahrt den Hahn zu. Es folgt ein Stopp in Mayrhofen mit Abstecher zum Bahnhof. Mal schauen, wie die Busse in Richtung Schlegeisspeicher fahren, falls das Wetter doch rückfällig werden sollte. Die Gelegenheit wird gleich genutzt, um das Handtrocken-Gebläse der Toilette zweckzuentfremden und damit Simones Socken soweit zu trocknen, dass sie weiterfahren kann. Merken für's nächste mal: Wasserdichte Überschuhe sind besser als Plastiktüten im Schuh.

Zemmbachtal
Zemmbachtal
Schrahnbach-Wasserfall
Schrahnbach-Wasserfall

Ab Mayrhofen geht's stetig bergauf, der Schlegeis-Beschilderung folgend. Wir treffen erstmalig auf dieser Tour auf eine andere AlpenCross-Gruppe. Deren Leiterin ist superfit und fährt laufend zwischen Anfang und Ende ihrer lang auseinandergezogenen Gruppe hin und her, überholt uns dabei dreimal.

Da die Gruppe auf Höhe des Schrahnbachs nicht in den Tunnel fährt sondern vorbei, müssen wir nicht lange überlegen oder Karten lesen sondern tun's ihnen einfach gleich, was uns zu diesem netten Plätzchen führt, wo jeder einen obligatorischen Foto-Stop machen muss.

Und immer weiter bergauf, Kilometer um Kilometer, Höhenmeter für Höhenmeter. An der Mautstelle angekommen erwartet uns die wenig freundliche Aufforderung „Mountainweg benützen”.

Was anfangs so unfreundlich aussieht, stellt sich als guter Rat heraus. Autofrei und sonnig führt der Weg zunächst in Serpentinen nach oben, wo er in einen einfach fahrbaren Pfad übergeht. Sollen doch die Autos alleine im Tunnel spielen. Am Ende des Pfades kommt erstmals die Staumauer des Schlegeis-Speichers in Sicht. Sieht ganz nah aus.

Aber wie das halt so ist, wenn man keinen Größenvergleich hat. Das Ding ist etwa 130 m hoch und dementsprechend dann doch noch ein paar Kilometer entfernt. Das gröbste ist aber für heute geschafft und die Aussicht auf die Staumauer und damit das Ende der heutigen Etappe motiviert enorm.

Schlegeis Speicher
Schlegeis Speicher

Gegen halbvier ist es dann vollbracht, die letzten Serpentinen zur Staumauer hoch sind bezwungen und nach einem kurzen Tunnel bietet sich eine grandiose Aussicht auf den Stausee, den Schlegeis-Kees und die dahinter liegenden schneebedeckten Dreitausender um den Hochfeiler.

Gutes Timing, es fängt an zu tropfen und wir beziehen das noch von Mayrhofen aus reservierte Quartier in der Domenikus-Hütte. Das Massenlager stellt sich als Kammer mit vier Klappbetten unter dem Dach heraus. Erfreulicherweise bleiben wir die einzigen Gäste in diesem Raum und haben so eine erholsame Nacht.

Die Kompass-Karte 037 lässt vermuten, dass man auch im Bergrestaurant Schlegeis übernachten kann — darauf sollte man sich besser nicht verlassen. Als wir dort abends noch vorbeispazieren, ist alles dicht und keine Menschenseele zu sehen.

Die Domenikus-Hütte ist gut von Fernwanderern besucht, die auf dem Weg nach Venedig sind — und auch von drei Alpen-Cross-Radlern auf ihrer Jungfernfahrt. Die Hütte ist voll belegt, gegen fünf Uhr muss der Wirt eine kleine Gruppe Radfahrer wieder ins Tal schicken. Das Abendessen ist sensationell. Kässpätzle mit einer Käsefondue-artigen Soße für Simone und superlecker Speckknödel auf Kraut für mich.

Etappe 4: Domenikushütte, Pfitscher Joch, Pfitscher Tal, St. Jakob, Mühlbach

Strecke: 62.4 km • Fahrzeit: 4:30 h • Reisezeit: 7:15 h • Anstieg: 756 hm • Abfahrt: 1743 hm • Karten: Kompass 037, Tabacco 9

Weg 524 zum Pfitscher Joch
Weg 524 zum Pfitscher Joch

Es ist recht kühl, als wir starten — aber trocken. Die drei anderen Radler sind kurz vor uns gestartet und schon außer Sicht. Unsere Route folgt erstmal, anfangs flach und größtenteils fahrbar, später steiler, dem Wanderweg 524.

Hinter der Egg-Alm dürfen wir feststellen, dass das Gebiet inzwischen von der italienischen Seite aus erschlossen ist. Ein Fahrweg kommt über das Joch und endet an der Lavitzalm. Auf diesem — nicht sehr idyllischen aber praktischen — Weg holen wir dann unsere drei Kollegen von der Domenikus-Hütte wieder ein. Dafür werden wir widerum von einem Fernwanderer auf dem steilen aber direkten Fußweg, locker überholt. Schieben ist doof.

Als das Joch kurz vor zehn erreicht ist, gibt's das obligatorische Gipfelfoto:

Gipfelfoto
Pfitscher Joch, 2245 m, der
Alpenhauptkamm ist bezwungen...
Gipfelfoto
...und Italien liegt vor uns

Unsere drei Kollegen machen einen Abstecher ins Pfitscher-Joch-Haus zum Kaffee-trinken, während wir uns für die Abfahrt rüsten. Bei nur 8°C sind Handschuhe und Regenzeug gegen den Fahrtwind angesagt.

Durch St. Jakob (S. Giacomo) geht's, das Pfitscher Tal entlang. Die Autostraße ist breit und fast überhaupt nicht befahren, sodass wir uns den Umweg über Grube und Kematen sparen. Als wir uns unserer winddichten Hülle entledigen, passieren uns die drei Kaffeetrinker. Nicht das letzte mal, dass wir sie sehen werden.

Der Weg rechts des Pfitscher Bachs ab Höhe Fussendrass bis Ried ist lohnend, er führt auf Fahrwegen und Pfaden durch einen kleinen Auwald. Der Rest der Abfahrt ist leider von Asphalt geprägt.

Langsam wird's Zeit für ein Mittagessen. In Wiesen sehen wir die Räder der drei anderen Radler vor einer Pizzeria stehen aber uns ist nicht nach Pizza, also fahren wir weiter, den Deich entlang und dann im Wipptal links dem Eisack (Isarco) nach Freienfeld. Das dort auf der „Tabacco 9” eingezeichnete Gasthaus finden wir nicht, dafür aber ein nettes Hotel in Stilfes, in dem wir 5 Minuten vor Küchenschluß noch lecker Salat und Pasta bekommen.

Gerade als wir aufbrechen, fährt — ratet mal wer — vorbei? Also fix aufgestiegen und hinterher. An der nächsten Steigung haben wir sie wieder 8-) Weiter geht's mit Rückenwind, immer der sehr gut ausgeschilderten Radroute folgend nach Süden. An der Franzensfeste trennen sich dann unsere Wege ein letztes mal. Sie wollen zwar auch über St. Magdalena fahren, haben aber eine andere Route dorthin ausgesucht.

Wir folgen der landschaftlich schönen und gut ausgeschilderten Radroute nach Mühlbach im Pustertal, wo unsere Tour im fahrradfreundlichen Gasthaus Weisse Lilie für heute ihr Ende findet.

Weisse Lilie
Unser Quartier
Terrasse
...mit Dachterrasse

Etappe 5: Mühlbach, Lüsen, Halsljoch, St. Magdalena

Strecke: 32.8 km • Fahrzeit: 4:11 h • Reisezeit: 8:35 h • Anstieg: 1513 hm • Abfahrt: 946 hm • Karten: Tabacco 030

Bei wunderschönem Wetter starten wir zur nächsten Etappe — aber schon nach wenigen Minuten steht der erste Stopp an, Simones hintere Bremse mach merkwürdige Geräusche. Auf einer Parkbucht wird die Ursache erforscht. Klarer Fall, die Bremsbeläge sind runter. Also fix die mitgeführten Ersatzteile eingebaut und weiter geht's.

Wegzeiger Luson
Alle Wege führen nach Rom
Villa
Blick zurück nach Villa

Unsere Route führt uns über den Wanderweg 7 nach St. Pauls (nur auf der 1:25.000er Karte eingezeichnet). Mist, irgendwo unterwegs hat mein Tacho den Kontakt verloren, da dürften inzwischen ein paar Kilometer und ettliche Höhenmeter fehlen. Mist. Von St. Pauls geht's weiter nach Villa (Vill), wo wir auf den ausgeschilderten Weg 1 nach Lüsen (Luson) stoßen und diesem folgen. Ab Planatscher geht's auf einem wunderschönen und gut fahrbaren Pfad durch lichten Nadelwald.

Am Kreuzstöckl gibt's, weil's hier so nett ist, ein kleines Vesper, dann geht's weiter auf dem „1” in Richtung Lüsen. Die “Abkürzung” oberhalb Latumshube bis Prandrol sollte man sich bei nassem Boden ersparen. Der Pfad hat ein paar abenteuerlich schmale und abschüssige Stellen.

Viertel nach zwölf kommen wir in Lüsen an — dumm gelaufen, das Fremdenverkehrsbüro hat nur von acht bis zwölf offen. Also müssen wir wohl oder übel heute abend “hausieren” gehen, denn in St. Magdalena gibt's keine Tourist-Info — zumindest ist keine in der Karte verzeichnet.

Wir füllen unsere Wasservorräte mit schmackhaftem Wasser aus dem Brunnen vor dem Verkehrsbüro auf und machen uns auf den Weg zum Halsl-Joch (Passo Rondella) immer noch auf dem 1er.

Peitlerkofel
Peitlerkofel

Immer entlang des Lasanke/Rivo Lasanca geht's asphaltiert bergauf. Halber Strecke zwingt uns das gute Wetter geradezu zu einem Sprung in den klaren aber kalten Bach. Prächtig erfrischt und gut gelaunt geht's weiter.

Bald zeigen sich die ersten Ausläufer der Dolomiten. Beeindruckend steht der Peitlerkofel (Sas de Putia) vor dem kitschig blauen Himmel. Die Idee, mit dem Fahrrad die Peitlerscharte zu bezwingen, lasse ich dann aber doch schnell fallen. Gelesen habe ich, dass es gehen soll — sieht mir aber nach einer 550 hm Trage/Schiebepassage aus. Muss nicht sein, zumal nichtmal klar ist, ob man dann wenigstens auf der anderen Seite fahren kann oder ob's da auch nur schiebend weitergeht.

Hinweis: Der Weg 8 wäre vielleicht eine interessante Alternative für die letzten 2-3 km bis zum Halsl-Joch.

An der Rodel-Alm, kurz vorm Halsl-Joch (Paso Rodella) gibt's erstmal einen belebenden Cappuccino mit Apfelstrudel, dann geht's auf dem ausgewiesenen Wanderweg 11 abwärts Richtung St. Magdalena, wo uns beim Oberhof der typische Kalender-Dolomiten-Blick auf die Geisler-Gruppe erwartet.

Geisler-Gruppe
Vor der Geisler-Gruppe

Nach dem uns ein Wanderer erzählt hat, dass es in St. Magdalena schwierig sein wird, eine Unterkunft zu finden, fahren wir erst gar nicht ins Tal sondern klappern die Höfe am Weg ab, wo wir auch bald fündig werden. Unsere Wirtin meint später allerdings, es wäre kein Problem, im Tal unten gäbe es genügend Zimmer.

Während wir beim Abendessen auf der Terrasse der Pizzeria „Magdalenablick” sitzen, ziehen dunkle Wolken auf, der Wetterbericht sagt für morgen Regen voraus.

Etappe 6: St. Magdalena, Adolf-Kunkel-Weg, Brogleshütte, St. Ulrich, Seiseralm

Strecke: 28.3 km • Fahrzeit: 4:32 h • Reisezeit: 7:25 h • Anstieg: 1557 hm • Abfahrt: 1199 hm • Karten: Tabacco 030, 06

Wettervorhersagen stimmen manchmal, manchmal glücklicherweise aber auch nicht. Zwar ist der Himmel bedeckt, es regnet aber nicht. Erstmal geht's vollends ins Tal, dort den Villnösser Bach (Rio di Funes) aufwärts in Richtung Weg 34. Der ist zur Zeit ab dem Brogleser Bach wegen Bauarbeiten gesperrt, was uns auf eine Alternativ-Route zwingt. Die Alternative ist dank 1:25.000 Karte schnell gefunden: Erst ein Stück am Brogleser Bach entlang aufwärts, dann links ab auf Weg 34b. Rückblickend war das wohl nicht schlechter als die ursprünglich geplante Strecke.

Die Wolken hängen an den Bergen und lassen ein paar einzelne Tropfen fallen. Die vorsichtshalber angelegten Regenklamotten ziehen wir aber bald wieder aus, da es sonst von innen nasser wird als von außen.

Nach einem letzten, kernigen Anstieg, erreichen wir überraschend (das kommt davon, wenn man die Serpentinen nicht zählt) die Gschnagenhardt-Almen. Zu unserem großen Bedauern ist der Himmel total verhangen, sodass uns das tolle Panorama, das auf Fotos gelegentlich zu sehen ist, entgeht.

Adolf-Munkel-Weg
Adolf-Munkel-Weg

An den Almen vorbei geht's auf den Adolf-Munkel-Weg. Dieser Weg ist, wie uns unsere letzte Wirtin erzählt hat, eine Art Pilgerstrecke für Sonntagsausflügler. Um den 15. August ( Ferragosto) pilgern hier Massen von Wanderern und Spaziergängern zwischen Brogles-Alm und Schlüter-Hütte. Eine Woche nach Ferragosto und bei mäßigem Wetter ist das überhaupt kein Problem, wir treffen nur wenige Wanderer.

Nach einer steilen schiebe/trage-Passage erreichen wir die Brogleshütte (Telefon: 3384 600101). Da das Wetter nicht wirklich stabil aussieht, fahren wir direkt weiter auf den Brogles-Sattel. Auf dem Weg 5 (auf manchen Karten auch als Weg 3 verzeichnet) geht's nach St. Ulrich. Die Meinungen über die Fahrbarkeit des Wegs gehen etwas auseinander. Sagen wir mal so: Er hat über große Strecken Garda-Niveau. Schmale Rinnen mit teils großen Steinen, Stufen und Wurzeln aber kaum enge Kurven.

Ab Martin geht's auf der Skipiste (Weg 9) steil und tiefschotterig ins Anna-Tal.

Als wir in St. Ulrich ankommen ist's leider schon zu spät für ein richtiges Mittagessen. Ersatzweise gibt's ein warmgemachtes Weckle mit Schinken und Käse, dann geht's weiter in Richtung St. Christina.

Bei Soplases, am Fuße des Anstiegs zur Seiser-Alm, rufen wir das Fremdenverkehrsbüro von Seis an, nicht dass wir hier den Berg raufstrampeln und dann oben kein Quartier bekommen.

Das eigentlich angesteuerte Gasthaus Saltria wird gerade umgebaut, es gibt aber durchaus ein paar Alternativen. Die Preise hauen uns allerdings fast aus den Socken. Sechzig bis achzig Euro pro Nase und Nacht liegen im unteren Bereich der Skala.

Auf die Frage nach einen günstigen Quartier bekommen wir eine Pension genannt. Auf die Frage, wie man dort hinkommt heißt es: Erstmal bis Saltria fahren, dann links und ein bisschen rechts, wir sollen nochmal anrufen, wenn wir an der Kreuzung sind. So sei es.

An der Kreuzung angekommen, wird die Karte nochmal genau studiert. Ohne Ergebnis. Ein Taxifahrer hilft uns auf die Sprünge. Die Pension liegt bei Compatsch, ca. 4 km und einige kleine, bösartige Anstiege entfernt — und überhaupt nicht auf unserer Strecke.

Wir nehmen unser Schicksal also selbst in die Hand und radeln erstmal zum Almgasthof Tirler, das liegt wenigstens am Weg. Dort ist wirklich komplett ausgebucht — aber der Wirt ruft freundlicherweise gleich beim Hotel Brunelle an und reserviert uns ein Zimmer mit Halbpension für 58€ pro Nase.

Der Preis ist, im nachhinein gesehen, für italienische Verhältnisse OK, wenn man berücksichtigt, dass Sauna und Abendessen incl. Tischgetränke eingeschlossen sind (Sauna allerdings italientypisch nur mit Badebekleidung, zumindest wenn Italiener anwesend sind).

Etappe 7: Seiseralm, Val Duron, Campitello, Val di Fassa, Predazzo

Strecke: 40.4 km • Fahrzeit: 3:55 h • Reisezeit: 6:05 h • Anstieg: 628 hm • Abfahrt: 1258 hm • Karten: Tabacco 06

Bei bestem Wetter starten wir in die neue Etappe. Weg 8 folgend fahren wir zum Mahlknecht-Joch (Pas de Duron)

Blick zurück auf die Geisler-Gruppe
Blick zurück auf die Geisler-Gruppe

Den in der Karte verzeichneten Pfad vom Mahlknechtjoch direkt nach Osten finden wir trotz aufmerksamer Ausschau nicht. Wenn's den noch geben sollte, hat er sich gut versteckt, sowohl bei der Einfahrt als auch am Ende. Die grandiose Aussicht auf die Nordhänge des Croda del Lago können wir aber auch so genießen.

Croda del Lago
Mahlberg-Joch mit Blick
auf den Croda del Lago

Die Abfahrt nach Campitello hat's in sich. Der Weg ist breit, teils locker geschottert und stellenweise überraschend steil. Rauffahren wollte ich da nicht unbedingt, fahrbar ist es aber, wie eine Handvoll entgegenkommender Radler beweisen. Bedauerlicherweise stellt sich der Weg als Touri-Attraktion heraus, offenbar werden die im Tal busweise ausgesetzt und pilgern dann, teils mit Kinderwagen und Sommerschuhen, den Berg hinauf.

Das letzte Stück nach Campitello rein ist unglaublich steil, was bin ich froh, dass ich gute Bremsen habe. Der Tacho zeigt abends 29% maximales Gefälle — das kann eigentlich nur hier gewesen sein. Kaum zu fassen, dass das im Winter als Rodelbahn benutzt werden soll.

Links des Flusses geht's gemütlich und gut ausgeschildert weiter bis Pozza di Fassa, wo wir einen „Strudel di Mele” mit Cappuccino als Mittagessen verdrücken. Leider hat bei dieser Pause Simones Knie irgendwie Schaden genommen und schmerzt, als wir weiterfahren. Zum Glück hat's erstmal keine großen Steigungen mehr.

Die Frage, ob wir an diesem Tag bis zum Rifugio Cauriol weiterfahren erübrigt sich somit. Predazzo wird als Ziel der Tagesetappe auserkoren. Kurz hinter Moena stehen wir unvermittelt vor einem nicht überwindbaren Hindernis:

Baustelle
nix geht!

Sieht aus, als würde hier eine Straße und/oder der Radweg neu in den Hang gebaut. Den Rest der Strecke legen wir also auf der vielbefahrenen Straße zurück.

In Predazzo angekommen, wird das erste italienische Eis auf dieser Tour verschlungen. Seeeehr lecker! (Ecke Via Roma/Via Garibaldi, wenn ich mich recht erinnere). Die Tourist-Info öffnet um 15:30 Uhr und hilft uns bei der Quartiersuche. Wir quartieren uns im Hotel Montanara ein. Spätestens jetzt wird klar, dass unser Zimmer auf der Seiser-Alm nicht sooo teuer war. Wir zahlen im Endeffekt den gleichen Preis, haben aber keine Sauna (auch wenn's außen am Haus steht), ein kleineres Zimmer ohne Ausblick und auch das Essen ist nicht so gut wie im Hotel Brunelle. Dafür gibt's ein Internet-Terminal und einen kleinen Garten mit Liegestühlen, in dem sich's, nachdem ein kräftiger Schauer durchgezogen ist, prima bis zum Abendessen aushalten lässt.

Etappe 8: Predazzo, Ziano, Passo Cauriol, Rifugio Refavaie

Strecke: 21.7 km • Fahrzeit: 4:17 h • Reisezeit: 6:20 h • Anstieg: 1126 hm • Abfahrt: 1040 hm • Karten: Tabacco 014

Frühstück. Man merkt die touristische Lage, es gibt nicht das typisch italienisches Frühstück, bestehed aus Kaffee und einem trockenen, in Folie verpackten Hörnchen, sondern ein ordentliches Frühstücksbüffet, was wir sehr zu schätzen wissen. Heute wollen wir die Lagorai Kette in Angriff nehmen. Ein in unserem Breiten weithin unbekanner Gebirgszug — zu unrecht.

Da wir heute voraussichtlich nicht oder zumindest nicht zu passenden Zeiten an einer Gaststätte vorbeikommen werden, wird vor der Abfahrt in einem kleinen Alimentari Proviant gefasst, dann geht's los in Richtung Pso Sàdole. Der auf der Karte eingezeichnete Weg über Maso Pausa ist nicht auffindbar, dafür gibt's einen neuen Weg, den Waldrand entlang, bis Ziano. Dort geht's dann mit „320” ausgeschildert bergauf.

Der Anstieg hat's in sich, weite Strecken geht's im Bereich von 15% bergauf, teilweise werden es über 20%. Vielleicht doch ganz gut, dass wir nicht den Wanderweg rauf sind — das wäre wohl eine Schiebepassage geworden. Vier Höhenlinien für 100 hm täuschen doch immer wieder.

Val Sàdole
Val Sàdole, Cauriol

Bis zum Rifugo Cauriol ist der Weg asphaltiert und auch von Autos befahren, oberhalb wird's aber schlagartig ruhiger, hier sind nur noch ein paar Spaziergänger unterwegs, die sich vom Rifugio aus ein bisschen die Beine vertreten. Kurz oberhalb des Rifugios fängt's an zu tropfen. Umkehren und — verschwitzt wie wir sind — einkehren?

Schutzhütte am Cauriol
Schutzhütte am Cauriol
Wir steigen erstmal in die Regenklamotten und fahren weiter. Noch regnet's ja nicht stark und ein kleines blaues Eckchen Himmel hinterm Cauriol macht Hoffnung. Als es dann doch etwas stärker wird, passieren wir gerade eine kleine Schutzhütte auf der anderen Seite des Rivo Sadole. Also kurzerhand über den Bach gesprungen und untergestellt.

Weg zum Pso Sadole
Weg zum Pso Sadole

Nach einer viertel Stunde verabschieden wir uns von den zwei italienischen Bergsteigern, die ihn Quartier in der Hütte haben. Sie gehen zu ihrer Freiluft-Küche und schauen nach ihrem Essen während wir uns weiter zum Pass vorarbeiten. Der Weg wird immer schmaler, steiler und steiniger, irgendwann ist schieben angesagt. Die glatten Felsen am Cauriol glänzen vor Nässe.

Kurz vor dem Sattel führt der Weg durch ein Geröllfeld mit riesigen Felsen. Hier ist der Weg stellenweise noch so gut, dass man mit einem Auto fahren könnte. Am Sattel passieren wir die zerfallene Befestigungsanlagen aus dem ersten Weltkrieg knapp unter den Wolken. Es ist ungemütlich kalt, so verweilen wir nicht lange sondern machen und gleich auf die Abfahrt.

Ursprünglich wollte ich von hier direkt auf Weg 301 zum Passo Cinque Croci queren. Da sich aber Simones Knie wieder meldet, geht's auf kürzestem Weg in die Zivilisation, das ist in diesem Fall das Rifugio Refavaie im Val Cia. Der Weg ins Tal ist für uns nur teilweise fahrbar. Einen Eindruck von den besseren Stellen gibt ein Foto aus einem Alpencross-Bericht von Daniel Bolender.

Nach 400 harten Höhenmetern Abfahrt/-stieg kommen wir auf den Forstweg, der ins Tal führt. Kurz hinter der Malga Laghetti geht's auf einem lohnenswerten Trail (immer noch Weg 320) bis kurz vor's Rifugio. Dort angekommen müssen wir leider feststellen, dass die Küche bereits geschlossen ist. Schadeschade. Gibt's halt mal wieder Apfelstrudel und Cappuccino zum Mittagessen 8-).

Rifugio Refavaie
Krankenstation

Wer wagt, gewinnt. Wir fragen einfach mal, ob wir ohne Voranmeldung ein Zimmer bekommen können — und bekommen doch tatsächlich das allerletzte freie Zimmer im alten Rifugio. Das frühe Ende der heutigen Etappe ermöglicht eine ausführliche Knie-Pflege mit improvisierter Wärmflasche, bevor wir uns über eine gegrillte Forelle hermachen, die wohl kurz vorher noch im Teich vor dem Rifugio gepaddelt hat.

In der Nacht zieht ein heftiges Gewitter durch das Tal, am nächsten Morgen sehen wir, dass es bis herunter auf etwa 2000 m geschneit hat. Wie gut, dass wir das in unserer trockenen Herberge über uns hinwegziehen lassen konnten.

Etappe 9: Rifugio Refavaie, Passo Cinque Croci, Valsugana, Levico Terme

Strecke: 58.3 km • Fahrzeit: 5:44 h • Reisezeit: 8:30 h • Anstieg: 1307 hm • Abfahrt: 1875 hm • Karten: Tabacco 014

Nach dem Gewitter ist die Luft klar aber kalt. Gut eingepackt geht's rechts des Vanoi Richtung Westen, Richtung Passo Cinque Croci. Blöderweise habe ich im Gedächtnis, dass der Weg die ganze Zeit rechts des Flusses bleibt und die Anfahrt auf den Pass ist schon auf der Innenseite der gefalteten Karte.

Diese Nachlässigkeit beschert uns einen netten kleinen Trail durch den Wald (das hätte schon stutzig machen sollen, denn der war nicht im Gedächtnis) und anschließend einen Abstecher die Serpentinen hinauf in Richtung M.ga Copola di sopra. Merke: Bei der Navigation nicht nur die Richtung, sondern auch Entfernungen beachten! Der Motivation tut's keinen Abbruch, zumal das Knie bislang gut mitmacht. Das mag wohl vor allem keine Schiebepassagen auf unebenem Boden.

Cimon di Lasteoto
Simone vor der Kulisse
des Cimon di Lasteoto
Cima d'Asta
Blick von der Malga Val Cion
in Richtung Cima d'Asta

Weiter geht's auf dem „richtigen” Weg, hier gibt's dann auch wieder Schilder, die den Weg weisen. Der Anstieg zur Malga val Cion geht angenehm gleichmäßig mit 10-12% nach oben, mit unserem gemütlichen Tempo kommt die Zeitangabe auf den Wanderschildern ziemlich gut hin.

Am Waldrand angekommen, erwartet uns eine beindruckende Rundumsicht auf die rauen Berge des Lagorai. An der Malga Val Cion treffen wir auf zweit italienische Wanderer aus Bassano del Grappa, einer davon spricht sehr gut deutsch, hat eine zeitlang in Fulda gelebt. Er erzählt uns, dass sie im Winter oft hierher kommen, um Skitouren zu machen. Sicher ein tolles und wenig verspurtes Revier hier. Von Deutschland aus leider etwas zeitaufwändig anzufahren. Die Malga ist übrigens nicht bewirtschaftet, wer hier was essen will, muss es selbst mitbringen.

Cinque Croci
Die fünf Kreuze auf dem
Passo Cinque Croci
Cinque Croci
Blick ins Valsugana

Fast eben geht's jetzt weiter zum Passo Cinque Croci, von jetzt an geht's eigentlich nurnoch bergab. Und wie. 1800 Höhenmeter am Stück mit teilweise über 20% Gefälle. Meine Bremsen haben noch selten solche Geräusche von sich gegeben und noch nie so gerochen. Aber toitoitoi — kein Fading zu bemerken. Langsam wird's Zeit für eine Mittagspause. Leider braucht's eine ganze Weile, bis wir eine Gaststätte direkt am Weg finden. Am Rifugio Crucolo weht uns der Geruch von gegrilltem Fleisch entgegen. Leider sind alle Plätze belegt, innen wie außen — scheint ein 'Geheimtipp' zu sein und es ist Sonntag. Es gelingt uns dennoch, zwei belegte Weckchen zum Mitnehmen zu ordern, die wir dann gleich vor dem Haus auffuttern. Über Scurelle und Castelnuovo geht's vollends ins Tal der Brenta, dem Valsugana. Unser nächstet Stopp ist in Borgo, einem sehr schönen mittelalterlichen Städtchen. In einer Eisdiele am Marktplatz (ausgesprochen leckeres Eis) planen wir das Ende der Tour, während wir beobachten, wie ein Schauer westlich der Stadt durchzieht.


Garten des Vecchia Fattoria

Die restlichen ca. 20 km sind ein Klacks, immer dem ausgeschilderten Radweg entlang die Brenta aufwärts nach Levico Terme. Wir klappern ein paar Quartiere ab, die Simone aus dem Hotelprospekt herausgesucht hat und auch solche, die uns am Straßenrand auffallen. Entweder gefallen sie uns nicht oder sind ausgebucht. Die Tourist-Info hat Sonntags leider nur von 8 Uhr bis 12:30 Uhr geöffnet. Wir beenden unsere Suche vorerst in einer alten 1-Sterne Pension oberhalb des Stadtkerns. Am Montag machen wir uns dann auf ins Tourismus-Büro, holen einen aktuellen Hotel Prospekt und finden mit dessen Hilfe die Albergo Vecchia Fattoria, ein ruhiges und nettes Quartier im Süden der kleinen Stadt mit Pool im Garten und mit angegliederter Pizzeria. Hier können wir bis Freitag das letzte freie Zimmer mieten.

Epilog

Fahrkartenkauf, des Dramas erster Teil

Welch ein Drama, wer hätte das gedacht. Dass grenzüberschreitender Fahrradtransport mit der Bahn schwierig ist, ist nichts neues — aber was sich die Bahnen auf der Verbindung Trento-München leisten, ist unglaublich. Bei der riesigen Zahl von MTB-Alpencrossern, Transalp-Reiseradlern und Garda-Touristen sollte man doch meinen, dass es eine, vielleicht sehr ausgebuchte, aber doch ganz gute Verbindung aus dem Trentin nach Deutschland gibt. Schwer getäuscht.

Ich hatte vor der Reise versucht, mich im Internet zu informieren, nur leider kann ich zu wenig italienisch, um mich durch die Italienische Fahrplanauskunft bis zum Fahrradtransport zu hangeln und die Auskunft der Deutschen Bahn hilft bei Zügen aus Italien auch nicht. Unser Wirt, stets nett und hilfsbereit, surft für uns durch das Online-Portal der italienischen Bahn, findet aber keine Möglichkeit, eine Fahrt mir Fahrradbeförderung zu buchen und am kleinen Bahnhof in Levico kann man keine internationalen Tickets kaufen. Also fahren wir am Dienstag nach Trento, um die Rückreise zu organisieren.

Hier erfahren wir, dass es in der Tat nur einen einzigen Zug gibt, der Reisende mit Fahrrad nach Deutschland befördert. Einen einzigen!, den Brenner-Express EN 288 Firenze S.N.M (Florenz) – München Hbf (Monaco di Baviera). Der fährt immerhin täglich. Um 1:55 Uhr morgens, laut Fahrplan. Wir haben also die Wahl, uns von ca. 22 Uhr bis 2 Uhr in Trient herumzutreiben und diesen Zug zu nehmen oder auf gut Glück mit einem inner-italienischen Zug bis Brennero (Brenner) zu fahren, dort den Brenner nach Landeck hinunterzuradeln, einen Zug nach Rosenheim zu nehmen und dort in einen weiteren Zug nach München umzusteigen. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Schließlich muss man für die Züge der Deutschen Bahn den Fahrradtransport mindestens einen Tag im voraus anmelden, sprich: einen Platz reservieren. Was aber, wenn's am Brenner regnet? Die alte Brennerstraße im Regen hinunterzufahren und dann stundenlang eingeweicht am Bahnhof und in Zügen herumzusitzen ist keine verlockende Aussicht. Und wie reserviert man von Italien aus Züge in Österreich und in Deutschland? Umgekehrt geht's ja auch nicht. Und wie sieht das dann aus, wenn einer der Züge verspätung hat? Dann steht man auf einem Bahnhof und hat, mangels Reservierung für einen späteren Zug, keinen Anspruch auf Beförderung. Noch was Tolles: Wie uns später Mitreisende erzählen, haben sie von Deutschland aus Karten gekauft und Plätze reserviert. Das geht allerdings nur für Personen, nicht für Fahrräder. Also versuchten sie, in Trento ein Fahrradkarte zu ihrem Fahrschein zu lösen. Das geht aber nicht. Sie mussten also nochmal eine komplette Personen+Fahrrad-Karte kaufen. Wer sich diesen Mist ausgeacht hat,... Da uns beim Einladen allerdings keiner geholfen hat, hat auch keiner kontrolliert, wieviele Fahrräder eingeladen wurden. Vielleicht ist ja das der Deal. Müsste man nur vorher wissen.

Tickets
Geschafft, die Rückreise ist organisiert
Trento, Neptun-Brunnen
Neptun-Brunnen in Trento

Alles nicht so prickelnd. Wir kaufen erstmal keine Karte und suchen stattdessen ein Reisebüro, vielleicht gibt es ja einen regelmäßig verkehrenden Busverkehr, der zwei Fahrräder mitnimmt. Leider ist den Reisekaufleuten nichts über eine solche Verbindung bekannt. Ein Mietwagen? International ohne Rückfahrt? dürfte auch teuer werden, speziell wenn erst im Ausland gebucht. Abholen lassen? Aber wer hat schon Zeit? — und mit Sprit und Abnutzung wird das dann auch wieder recht teuer. Eine weitere Alternative wäre es, das Rad einem Paketdienst anzuvertrauen und ohne Rad mit einem normalen Personenzug zu fahren. Aber will man ein wertvolles Fahrrad einem Paketdienst anvertrauen? Da hat man schon allerhand schlechtes gehört, von gerissenen Speichen bis abgebrochenen Bremshebeln. Auch wenn's der Heimweg ist — das muss nicht sein. Nach reiflicher Überlegung wählen wir das unserer Ansicht nach kleinste Übel und buchen zwei Tickets im Nachtzug.

Die Rückfahrt, des Dramas zweiter Teil

Freitag morgen müssen wir unsere Unterkunft räumen, es sind neue Gäste angesagt. Den Tag über treiben wir uns am Levico See herum, vespern ein letztes Mal Brot mit Käse aus der Region und mit hauchddünn geschnittenem und super gewürztem Porchetta (Spanferkel) aus einem winzigen Alimentari. Der Rückreisetag ist trotzdem einfach kein richtiger Urlaubstag mehr, glücklicherweise haben wir wenigstens gutes Wetter. Um 22:32 Uhr geht unser Zug von Levico Terme nach Trento. Na toll, am Bahnhof gibt's nichtmal Schließfächer. Doch, später gesehen: es gibt welche, am Nordende vor dem Bahnhof. Deshalb ist auch die Gepäckaufbewahrung bereits vor einiger Zeit geschlossen worden. Nur leider sind die Schließfächer noch nicht in Betrieb. Gaaanz toll. Der Tag wird lang, wenn man nicht wirklich ein Programm hat. Unsere Fahrräder und das Gepäck wollen wir auch nicht alleine lassen, so können wir nichtmal was besichtigen sondern schlagen einfach nur die Zeit tot. Als um 24 Uhr die Bar schließt, vor der wir uns festgesetzt haben, ziehen wir wieder zum Bahnhof. Dort warten bereits zwei weitere Pärchen mit ihren Rädern. Ein Paar aus der Schweiz hat sich im Warteraum schlafen gelegt, mit dem Paar aus Deutschland halten wir ein Schwätzchen, um uns die Zeit zu vertreiben.

Als dann der angesagte Abfahrttermin naht, begeben wir uns mit Sack und Pack auf's Bahngleis. Unser Wagen hat die Nummer 288, das ist der dritte von hinten. Wo kommen die Fahrräder hin? Vermutlich in den Sonderwagen. Und der ist direkt hinter der Lok, also ganz vorne. Gaaaanz toll gemacht, liebe Bahn.

Da stehen wir nun, beginnen zu frieren und die Bahn kommt nicht. Wann kommt sie? Na klar, wenn die Damen gerade auf der Toilette sind. Leider falscher Alarm, das ist ein Güterzug. Und noch einer. Und noch einer... ich hab' aufgehört zu zählen. Dann endlich, mit über einer Stunde Verspätung, kommt unser Zug. Einladen. Warum kommt keiner und macht ein Tor am Gepäckwagen auf? Grrrrr. Einer unserer Mitreisenden nimmt die Sache in die Hand und öffnet ein Tor von innen, wir reichen die Räder von außen hoch.

Jetzt schnell einsteigen, denn wenn der Zug eh Verspätung hat könnte er losfahren, bis wir dem Bahnsteig entlang bis zum Wagen 288 zurück gelaufen sind. Mit unseren Rucksäcken haben wir's noch vergleichsweise einfach, uns über die im Gang liegenden Gepäckstücke und Interrail-Reisenden einen Weg zu bahnen. Die Reiseradler mit je 4 Radtaschen tun sich da schon schwerer. Fünf oder sechs Wagen weiter hinten stehen wir dann vor einer verschlossenen Tür. Zugende? Sind wir durch Wagen 288 gekommen, ohne es zu bemerken? Frustriert machen wir uns auf den Rückweg, in den ersten Wagen sah es so aus, als hätte es noch den einen oder anderen freien Platz gehabt.

Plötzlich taucht doch noch ein Zugbegleiter auf. Er schließt die hintere Türe auf und siehe da, wir kommen in Wagen 288. Offenbar hat er die Türe verschlossen um zu verhindern, dass die 'Billig-Passagiere' der hinteren drei Wagen die sanitären Einrichtungen der Schlafwagen benutzen. Richtig bequem ist's in unserem Abteil nicht, da es mit fünf Personen fast voll belegt ist und es so keine Möglichkeit gibt, sich ordentlich auszustrecken. Vor Brenner hält der Zug eeewig. Was ist denn da schon wieder los? Ganz einfach, der Zug wird vom Zoll gefilzt. Naja, das macht jetzt auch nichts mehr. Als wir in München ankommen haben wir immernoch über 1½ Stunden Verspätung.

Unser Anschluss nach Tegernsee geht in einer halben Stunde, genug Zeit, am Automaten eine Karte zu kaufen und noch einen Cappuccino zu trinken. Beides blöde Ideen. Die Fahrkarte hätten wir in Trento gleich bis Tegernsee kaufen sollen. Zum einen nicht drangedacht, zum anderen nicht ganz einfach, wenn der Schalterbeamte kein Wort Deutsch spricht. Was den Cappuccino angeht — selten einen so schlechten getrunken. Und das, wenn man direkt aus einem Land kommt, wo wirklich jeder Barista einen richtig guten Kaffee machen kann.

Auf der Weiterfahrt mit der BOB nach Tegernsee kassieren wir dann zu allem Überfluss auch noch ein Ticket, weil wir keine Fahrradkarte haben. Angeblich gibt's dafür am Automat einen großen grünen Knopf. Sorry, ich hab in Stuttgart extra nochmal einen DB-Fahrkartenauomaten inspiziert — da gibt's keinen grünen Knopf und auch im Menü wird nicht nach Fahrradmitnahme gefragt, wenn man München-Tegernsee bucht. Ich weiss bis heute nicht, wie das funktionieren soll. Eine Mitreisende erzählte uns, dass man wohl eine Streifenkarte der MVV  benötigt. Woher man das als Ortsfremder wissen soll, ist mir ein Rätsel. Vor mittlerweile einem Monat habe ich eine E-Mail an die BOB geschrieben, um den Sachverhalt zu klären — ich warte bis heute auf eine Antwort.

Schluss und Fazit

Tja, das war's also mit unserer Tour und unserem Urlaub. Das ganze ging unglaublich schnell vorbei. Unsere erste AlpenCross-Tour vor zwei Jahren war wesentlich eindrucksvoller, was zum einen sicher daran lag, dass es einfach das erste mal war und daher viel mehr neue Eindrücke brachte, zum anderen gibt es wohl wenige Routen für Normal-Radler, die so spektakulär sind wie die Strecken durch's Val d'Uina oder über den Fimba-Pass. Weiterempfehlen kann man sicher den Weg über's Lüsener Kreuz, den Adolf-Munkel-Weg und die Abfahrt nach St. Ulrich. Richtig schreckliche Passagen gab's keine, nur ein paar unvermeidbar langweilige wie das Fassa-Tal  unterhalb Moena . Alles in allem eine schöne Tour für Radler, denen der Spaß an Tour und Natur wichtiger ist als Rekorde aufzustellen.

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